Fotograf Chandra Moennsad

Aktuelles  -  17. Oktober 2018

Rückblick: BAG K+R Forum 2018 in Nürnberg

„Menschenrechte verteidigen – Nächstenliebe leben“ - Unter diesem Motto trafen sich am Wochenende des 12. und 13. Oktober rund 100 Personen zur jährlichen bundesweiten Fachtagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) in Nürnberg.

In seiner Begrüßung sprach Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg am Freitagabend im historischen Heilig-Geist-Haus über die Notwendigkeit, Zivilcourage und Haltung zu zeigen. In weiteren Grußworten betonten auch Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick und Landessynodalpräsidentin Dr. Annekathrin Preidel die Brisanz der Thematik für die Kirchen. Beide wiesen darauf hin, dass Kirche nach wie vor – schon wieder und immer noch – ihre Aufgabe zu einem friedvollen Miteinander zu erfüllen habe. Dr. Preidel ging sogar noch weiter und mahnte, keine Errungenschaft unserer offenen Gesellschaft für selbstverständlich zu halten, man müsse auch zukünftig „die Flöhe husten hören“.

Dr. habil. Klaus Holz sprach in seinem Festvortrag unter dem Titel „Alte Rechte und Neue Rechte. Kontinuitäten rechten Denkens“ über den Bedarf von Selbstreflexion und Selbstkritik im Umgang mit rechtsextremen Mustern. Es sei nicht nur die Spitze des Eisbergs, die unserer Aufmerksamkeit bedürfe, sondern vielmehr der Eisblock unterhalb der Wasseroberfläche, wo rechtsextreme Muster und Verhaltensweisen längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien.

„NSU-Monologe“ der Bühne für Menschenrechte

Am Abend stellten die Darsteller der Bühne für Menschenrechte in ihrem berührenden Theaterstück „NSU-Monologe“ hörbar bewegt die Geschichte der NSU-Morde aus Sicht dreier Opferfamilien dar.

Nach einer besinnlichen Morgenandacht mit Stadtdekan Hubertus Förster fanden am Samstag sieben Workshops statt. Dabei ging es beispielsweise um die ‚Theologie‘ der Neuen Rechten, den kirchlichen Umgang mit Hatespeech in den sozialen Medien, oder die Herausforderungen in den Bereichen Antifeminismus, Antisemitismus oder Antiziganismus. Ein Fachvortrag am Samstagmittag von Prof. Dr. Petra Bendel, Politikprofessorin an der Universität Erlangen, beleuchtete Anforderungen an eine menschenfreundliche Migrationspolitik und forderte mehr Aufmerksamkeit für den Schutz der Menschenrechte von Migrant*innen.

Fotograf Chandra Moennsad
Kranzniederlegung am NSU-Mahnmal in Nürnberg: RA Daimagüler und Heinrich Bedford-Strohm

Zum Abschluss des zweitägigen Fachforums führte der Weg über die Straße der Menschenrechte zum 2013 errichteten NSU-Mahnmal. Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, legte dort im Namen der BAG K+R einen Kranz nieder und bekräftigte, dass Christinnen und Christen in der ersten Reihe stehen müssten, wenn es darum geht, menschenfeindlichem Gedankengut zu widersprechen. Rechtsanwalt Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, sprach sich dafür aus, trotz der Abgründe der Verbrechen auch Hoffnung zu sehen – denn die Mehrheit der Menschen folge eben nicht Terroristen und deren Gedankengut.

Die Fachtagung der BAG K+R fand statt in Kooperation mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dem Caritas-Pirckheimer-Haus (CPH), der Stiftung Bildungszentrum im Kardinal-Döpfner Haus Freising, der Projektstelle gegen Rechtsextremismus im Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum Bad Alexandersbad sowie der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg.

Diakonin Sandra Windisch

Pressespiegel zum Forum

Bayerischer Rundfunk Beitrag – Religion und Orientierung
ab Minute 4:15

evangelisch.de: Ein Zeichen gegen Rechtspopulismus

Domradio.de: Bedford-Strohm bittet Christen um Widerstand gegen Rechts

Sonntagsblatt: Bedford-Strohm: Christen müssen gegen Rassismus und Antisemitismus aufstehen

epd: Kirchliches Forum will gegen rechtsextreme Tendenzen besser vorgehen

Domradio.de: Nächstenliebe: Altmodisch, aber trotzdem einfach gut

evangelisch.de: Soziologe: In bürgerlicher Mitte liegen Wurzeln für Rechtsextremismus

Pro Medienmagazin: Bedford-Strohm: Nicht aus Frust rechts wählen