Jahrestagung der BAG K+R 2025 "Grenzen, Brüche, Aufbrüche - wie weiter im kirchlichen Einsatz für Demokratie?"
Was können Kirchen und Zivilgesellschaft dem Erstarken der extremen Rechten entgegensetzen? Wo endet Konservativismus – und wo beginnt Rechtsextremismus? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R), die mit 70 Teilnehmenden am 14. und 15. November in Frankfurt am Main stattfand.
In seinem Grußwort betonte Dr. Wolfgang Pax, Generalvikar des Bistums Limburg: „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar.“ Auch Antisemitismus widerspreche dem Kern des christlichen Glaubens. Die Frankfurter Stadträtin Eileen O’Sullivan forderte in ihrem Grußwort rote Linien gegenüber rechten Narrativen – sonst erschienen diese irgendwann als legitim.
Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Hessen, beschrieb in seinem Grußwort seine eigene Ambivalenz, offen und tolerant sein zu wollen, gleichzeitig aber Sicherheitsbedenken nicht ablegen zu können. Er wies darauf hin, wie sehr in seinem Grußwort, wie sehr jüdisches Leben in Deutschland gefährdet ist. Die Kirchen stünden in einer besonderen Verantwortung, Antisemitismus zu bekämpfen.
Dr. Felix Schilk (Universität Tübingen) führte mit einem wissenschaftlichen Beitrag zur Frage, wo die Grenzen des demokratischen Konservatismus liegen, in die Tagung ein. Er wies darauf hin, dass Rechtsextreme seit langem versuchten, sich als konservativ darzustellen. Wenn dies nicht zurückgewiesen werde, drohe Rechtsextremismus salonfähig zu werden.
Im anschließenden Gespräch mit der bayerischen Landtagsabgeordneten Barbara Becker (CSU) betonte diese, dass es nicht ausreiche, gegen Rechtsextremismus zu sein. Es müsse auch eine positive Alternative angeboten werden. Becker betonte mit Nachdruck, dass für die CSU eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Frage komme.
Der zweite Tag begann mit einer Andacht von Ulrike Scherf, Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie rief dazu auf, die Arbeit für Demokratie und Menschenwürde als konstante und relevante kirchliche Aufgabe zu sehen.
Im Anschluss ging es weiter mit einer Analyse der extremen Rechten in den USA und in Polen. Annika Brockschmidt, Journalistin und Autorin, beschrieb den Aufstieg der christlichen Rechten in den USA. Ein fundamentalistisches Verständnis von Christentum und rechtsextremer Politik seien direkt miteinander verknüpft – Rechtsextreme Christ*innen glaubten, sie befänden sich in einem Kampf mit Dämonen und befeuerten damit Gewalt. Dr. Grzegorz Giemza, Direktor des Polnischen Ökumenischen Rates gab einen Überblick über die aktuelle kirchliche Landschaft in Polen und beschrieb die Verschmelzung von polnischem Nationalismus und einem fundamentalistischen Verständnis von Katholizismus in Polen. Im anschließenden Gespräch ging es um die Frage, inwiefern religiös-rechtsextreme Ideen und Strategien auch auf andere Länder ausstrahlten. Brockschmidt und Giemza betonten beide, dass die von ihnen beschriebenen Bewegungen international gut vernetzt seien.
Im Anschluss konnten in Arbeitsgruppen Diskussionen vertieft und Perspektiven der Teilnehmenden aufgegriffen werden. Die Workshops widmeten sich Themen wie gewaltorientiertem jugendlichem Neonazismus, türkischem Rechtsextremismus in Deutschland, rechtsextremer Agitation auf TikTok, Antisemitismus und Antifeminismus.
Das diesjährige Forum fand statt in Kooperation mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, den Evangelischen Akademien Berlin und Frankfurt, dem Projekt »Weißt du, wer ich bin?« der ACK, „Im Dialog“ (Evangelischer Arbeitskreis für das christlich-jüdische Gespräch in Hessen und Nassau), dem Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und dem Fachzentrum Haus am Dom – Katholische Akademie.