Rückkehr zur „natürlichen Ordnung?“ – Aspekte der rechten Vereinnahmung des Christentums

BAG K+R Talk

Warum berufen sich Akteur*innen der sogenannten Neuen Rechten heute zunehmend auf das Christentum – und welche politischen Vorstellungen verbinden sie damit?

 

Mit der Modernisierung des Rechtsextremismus hat sich auch dessen Verhältnis zum Christentum gewandelt. Während weite Teile der extremen Rechten dem Christentum lange distanziert oder ablehnend gegenüberstanden, bekennen sich Akteur*innen der Neuen Rechten heute zum christlichen Glauben, rufen zu seiner Verteidigung auf oder beanspruchen, mit ihrem politischen Programm christliche Werte besonders glaubwürdig zu vertreten.

Was macht das Christentum für diese Akteur*innen attraktiv? Eine zentrale Verbindung liegt in der Erzählung vom Niedergang der modernen Gesellschaft. Aufklärung, Säkularisierung und Emanzipation erscheinen darin als Abkehr von einer vermeintlich ursprünglichen, harmonischen Ordnung. In der Forderung nach einer „Rückkehr zur natürlichen Ordnung“ werden gesellschaftliche Hierarchien, Geschlechterrollen und Familienbilder nicht als historisch gewachsen und veränderbar verstanden, sondern als Ausdruck einer höheren Ordnung, die es wiederherzustellen gilt.

Hier entstehen ideologische Brücken zwischen christlich-traditionalistischen und extrem rechten Milieus – insbesondere im Kampf gegen Feminismus, geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sowie reproduktive Rechte. Zugleich dient die Berufung auf das „christliche Abendland“ dazu, ein kulturelles „Wir“ zu beschwören und insbesondere Muslim*innen als nicht zugehörig auszugrenzen.

Gemeinsam mit Michael Moser schauen wir genauer hin: Welche Vorstellungen stehen hinter der Forderung nach einer „natürlichen Ordnung“? Wo treffen sich religiöse Überzeugungen und neurechte Ideologie? Und wie werden diese Verbindungen über Medien, Netzwerke und Kampagnen politisch wirksam?

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