Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)

Die BAG K+R orientiert sich in ihrer Arbeit am Konzept der "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld unter der Leitung von Dr. Wilhelm Heitmeyer.

Das Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zielt darauf ab abwertende und ausgrenzende Einstellungen gegenüber Menschen aufgrund ihrer zugewiesenen Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe zu erfassen und zu systematisieren. Vorurteile gegenüber einer Gruppe treten, laut Heitmeyer, in der Regel nicht allein auf. Dieses Zusammenspiel von Vorurteilen bezeichnet er als Syndrom der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Als gemeinsamer Kern des GMF-Syndroms wird eine Ideologie der Ungleichwertigkeit angenommen.

Elemente gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit – BAG-K+R
Elemente GMF-Syndrom (c) Uni-Bielefeld IKG

Zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zählen folgende Merkmale:

  • Rassismus
  • Fremdenfeindlichkeit
  • Antisemitismus
  • Homophobie
  • Islamophobie
  • Etabliertenvorrechte
  • klassischer Sexismus
  • Abwertung von Menschen mit Behinderungen
  • Abwertung von Obdachlosen
  • Abwertung von Langzeitarbeitslosen

 

In seiner Studie schreibt Wilhelm Heitmeyer hierzu:

„Menschenfeindlichkeit zielt nicht auf ein Feindschaftsverhältnis zu einzelnen Personen, sondern bezieht sich auf Gruppen. Werden Personen aufgrund ihrer gewählten oder zugewiesenen Gruppenzugehörigkeit als ungleichwertig markiert und feindseligen Mentalitäten der Abwertung und Ausgrenzung ausgesetzt, dann sprechen wir von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Hierdurch wird die Würde der betroffenen Menschen antastbar und kann zerstört werden. Das besondere Kennzeichen dieses Begriffs ist seine Spannweite. Sie ergibt sich aus dem Phänomen selbst, denn nicht nur Personen fremder Herkunft sind mit Feindseligkeiten und Gewalt konfrontiert, wenn sie bestimmten Gruppen zugeordnet werden, sondern auch Menschen gleicher Herkunft, deren Verhaltensweisen oder Lebensstile in der Bevölkerung als „abweichend“ von einer als beruhigend empfundenen Normalität interpretiert werden.“

Auszug aus Heitmeyer; W. (Hg.): Deutsche Zustände, Folge 3, Suhrkamp Verlag Frankfurt, 2005, S. 13-34

 

Links & Downloads

Studie von Dr. Wilhelm Heitmeyer (2005):
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit Die theoretische Konzeption und empirische Ergebnisse

Weitere Informationen zur Studie unter
https://www.uni-bielefeld.de/ikg/projekte/GMF_Survey.html

Deutsche Zustände – Das entsicherte Jahrzehnt: Presseinformation zur Präsentation der Langzeituntersuchung Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (2011)
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