23 Okt 2017

Veranstaltungstipp in Dachau: „Ich will die Wahrheit“ – Podiumsgespräch zum Stand der Aufarbeitung im NSU-Prozess, 16.11. um 19.30 Uhr

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Donnerstag, 16. November 2017, 19.30 Uhr
„Ich will die Wahrheit“ / Podiumsgespräch zum Stand der Aufarbeitung im NSU-Prozess und zu Erfahrungen von Opfer-Familien

Die Lagergemeinschaft Dachau und die Evangelische Versöhnungskirche lädt am Donnerstag, den 16.11.2017 um 19.30 Uhr zu einem Podiumsgespräch zum Stand der Aufarbeitung im NSU-Prozess und zu Erfahrungen von Opfer-Familien in die Evangelische Versöhnungskirche in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein.
Seit Mai 2013 werden die zehn NSU-Morde in München verhandelt. In den nächsten Monaten wird mit den Urteilen gerechnet. Robert Andreasch, im Prozess akkreditierter Journalist, beobachtet seit Beginn die Gerichtsverhandlungen. Wie sich der Prozess entwickelte, welche Fragen gestellt wurden und welche Antworten offen blieben, davon wird er berichten. Yavuz Narin, der die Angehörigen von Theodoros Boulgarides als Anwalt vertritt, spricht über die Bedeutung des Prozesses für die Opfer-Familien. Für sie geht es im NSU-Prozess nicht nur um Schuld oder Unschuld der Angeklagten, sie wollen wissen, warum die Mordserie so spät aufgedeckt und gestoppt wurde.
Theodoros Boulgarides wurde am 15. Juni 2005 in seinem Geschäft in München-Westend mit drei Kopfschüssen getötet. Dabei benutzten die Täter dieselbe Waffe wie bei den anderen acht Opfern der NSU-Terrorzelle mit Migrationshintergrund. Die örtliche Boulevardpresse schrieb nach dem Mord: „Türken-Mafia schlug wieder zu“. Die Witwe und ihre zwei Töchter wurden wie auch Verwandte, Freunde, Bekannte der Familie von der Polizei verhört. Sie wurden über etwaige Kontakte Theodoros Boulgarides zu Drogendealern, zur türkischen Mafia, zu Prostitutionsringen, Internetkriminalität, Wettpaten und Waffenhändlern befragt. Die Witwe wurde zeitweise verdächtigt, sie habe ihren Mann getötet oder töten lassen. Der Mitinhaber des Schlüsseldienstes wurde immer wieder gefragt, ob Boulgarides sex- oder spielsüchtig gewesen sei. Ein möglicher rechtsradikaler Hintergrund wurde nicht in Betracht gezogen. Erst nach der Selbstenttarnung des NSU durch den Tod der mutmaßlichen Täter, sowie die Versendung von Bekennervideos durch die mutmaßliche Dritte der Terrorzelle, Beate Zschäpe, wurde im November 2011 der rechtsterroristische Hintergrund der Tat bekannt.
Die Evangelische Versöhnungskirche erreichen sie über den Innenhof des Kloster Karmel, Alte Römerstr. 91 in Dachau.

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