23 Jun 2014

Newsletter der BAG Kirche & Rechtsextremismus Nummer 9, Juni 2014

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Newsletter 9_2014 als PDF zum download

Herzlich Willkommen

Liebe Freund_innen, liebe Leser_innen,

ereignisreiche Wochen liegen hinter uns: Die Vollversammlung der BAG K+R Ende April in Erfurt bildete den Auftakt einer ganzen Reihe spannender und interessanter Veranstaltungen und Aktionen der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus im gesamten Bundesgebiet. Wir blicken zurück auf den 99. Deutschen Katholikentag in Regensburg, wo wir gemeinsam mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einen Informationstand hatten und zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt haben. Wir berichten über eine hochkarätige Podiumsdiskussion in Stuttgart, die uns in unserer Meinung stärkt, ein parlamentarischer NSU-Untersuchungsausschuss sei auch in Baden-Württemberg dringend notwendig. Wir blicken voraus auf die Veranstaltungen der zweiten Jahreshälfte: Darunter natürlich insbesondere unsere 4. Ost-West-Konferenz am 28. und 29. November in Mainz. Auf diese und andere interessante Veranstaltungen wollen wir Sie mit diesem Newsletter gerne hinweisen. Auch informieren wir über neue Publikationen zum Engagement gegen Rechtsextremismus.

Mit herzlichen Grüßen

Eure Geschäftsstelle der BAG Kirche & Rechtsextremismus

Rückblick – Vollversammlung der BAG K+R in Erfurt

Die Vollversammlung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus fand in diesem Jahr in Erfurt statt. Im eindrucksvollen Evangelischen Augustinerkloster trafen sich am 25. und 26. April die Mitgliedsorganisationen und -initiativen der BAG K+R um sich über ihre Arbeit in den unterschiedlichen Regionen der Republik auszutauschen, zu beraten und abzustimmen.

Eröffnet wurde die Vollversammlung durch ein Grußwort von Probst Diethard Kamm, Regionalbischof des Propstsprengels Gera-Weimar. Der Regionalbischof dankte in seiner Grußbotschaft der BAG K+R für die Solidarität mit dem Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König, der sich bereits seit Dezember 2011 einer Anklage wegen schwerem Landfriedensbruch, Beihilfe zum Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Strafvereitelung durch die Dresdener Staatsanwaltschaft ausgesetzt sieht. Kamm betonte, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland wolle König auch in Zukunft bei seinem – derzeit ruhenden – Prozess vor dem Amtsgericht Dresden unterstützen.

 

Im Mittelpunkt des ersten Tages der Vollversammlung stand ein Antirassismusworkshop, durchgeführt von den Politologen Kristina Nauditt und Gerd Wermerskirch von der Beratungsorganisation ARGO-Team sowie die Vorführung und Diskussion des Films Der blinde Fleck (2013). Thema des Spielfilms ist der Anschlag auf das Münchener Oktoberfest im Jahr 1980, dem schwersten Terroranschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte. Sein Drehbuch beruht auf dem Sachbuch des Journalisten Ulrich Chaussy Oktoberfest – Das Attentat: Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann. Auf Einladung der BAG K+R diskutierten im Anschluss an den Film Ulrich Chaussy und Regisseur Daniel Harrich mit den Teilnehmenden der Vollversammlung den Film und sein Thema. In einem anregenden Gespräch berichteten Chaussy und Harrich über ihre umfangreichen Recherchen zum Film, dessen gesellschaftlichen und filmwirtschaftlichen Produktionsbedingungen und erörterten verschiedene Aspekte und Momente der jüngeren Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland.

Der zweite Tag der Vollversammlung begann mit Berichten aus der Region: Vertreter der Organisationen ezra. Mobile Beratung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und Mobit e.V. informierten die Teilnehmenden der Vollversammlung über neonazistische und rassistische Gewalt sowie Dominanzbestrebungen rechter Akteure in Thüringen. Anschließend wurden der Vollversammlung der Rechenschafts- und Finanzbericht durch Mitglieder des Sprecher_innerates sowie die Geschäftsführung der BAG K+R vorgestellt.

Die Mitglieder der BAG K+R beschlossen in Erfurt, das Engagement gegen populistische Stimmungsmache auf Kosten von Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund zum Schwerpunkt ihrer Arbeit 2014/2015 zu machen und verabschiedeten zum Abschluss der Vollversammlung eine dementsprechende Erklärung unter dem Titel „Rassismus klar widersprechen – zum engagierten Handeln ermutigen“.

Rückblick – BAG K+R beim 99. Deutschen Katholikentag in Regensburg

Mit Veranstaltungen und einem Informationsstand war die BAG K+R auf dem 99. Deutschen Katholikentag vom 28. Mai bis 1. Juni in Regensburg vertreten. Unter dem Motto „Rassismus widersprechen – denn vor Gott sind Alle gleich!“ warb sie für klare Stellungnahmen und mehr Engagement von Kirchen, Zivilgesellschaft und Politik gegen rassistische Kampagnen gegen Flüchtlinge.

 

Die verschiedenen von und in Kooperation mit der BAG K+R in Regensburg organisierten Veranstaltungen fanden unter den Besucher_innen des Katholikentages regen Zuspruch. Gezeigt und diskutiert wurde am Donnerstag etwa der auf einer neunjährigen verdeckten Recherche des Journalisten Thomas Kuban basierende Film „Blut muss fließen“ – Undercover unter Nazis (DE 2012) über Rechtsrock-Konzerte in der Bundesrepublik. Andreas Belz, Referent für Politische Bildung beim BDKJ Diözesanverband Mainz und Mitglied des Sprecher_innenrates der BAG K+R, sprach mit Regisseur Peter Ohlendorf aus Freiburg über die extreme Gewaltbereitschaft und wiederholte Volksverhetzung bei den neonazistischen Veranstaltungen. Des Weiteren diskutierten Vertreter_innen kirchlicher und zivilgesellschaftlicher Initiativen am Freitagnachmittag unter der Überschrift „Rassismus geht uns alle an – auch in der Kirche“ die vielfältigen Möglichkeiten des antirassistischen Engagements von Kirchengemeinden und anderen kirchlichen Akteuren. Mit auf dem Podium war u.a. Christine Böckmann, Mitarbeiterin bei Miteinander e.V. und Mitglied des Sprecher_innenrates der BAG K+R. Abends fand der Vortrag des Journalisten und Rechtsextremismusexperten Andreas Speit „Europas radikale Rechte“ mit anschließender Diskussion statt. Speit, Autor des Buchs „Europas radikale Rechte: Bewegungen und Parteien auf Straßen und in Parlamenten“, verband seinen Vortrag mit einer Einordnung und Bewertung der Ergebnisse der Europawahl, die eine erschreckend hohe Zahl von Fraktionssitzen rechtsextremer Parteien verschiedener Länder im Parlament der Europäischen Union zur Folge hatte. Organisiert wurde die Veranstaltung in Kooperation mit der Projektstelle gegen Rechtsextremismus des Bayerischen Bündnis für Toleranz und der lokalen Kampagne „Keine Bedienung für Nazis“ von Regensburger Wirten.

Durchgehend war die BAG K+R mit einem Stand auf der Katholikentagsmeile in Regensburg präsent. Zusammen mit der BAG K+R-Mitgliedsorganisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste informierten wir die Besucher_innen des Katholikentags mit Flyern, Broschüren und im persönlichen Gespräch über unsere Arbeit. Dabei konnten wir unsere diesjährige Kampagne „Rassismus widersprechen – denn vor Gott sind alle gleich!“ den Besucher_innen vorstellen und mit ihnen über ihre eigenen Erfahrungen mit Rassismus, Neonazis und anderen Formen von Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit sprechen.

Prominenter Besuch erwartete die BAG K+R am Samstagvormittag, als wir Frau Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung und stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW sowie Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, an unserem Stand begrüßen durften. Mitglieder des Sprecher_innenrates sowie die Geschäftsführerin der BAG K+R berichteten Frau Löhrmann über die Arbeit der Bundesarbeitsgemeinschaft. Die Ministerin zeigte sich sehr interessiert und wird künftig die BAG K+R als Vernetzungsplattform und als Beratungsangebot für Kirchgemeinden gerne weiterempfehlen.

Die BAG K+R möchte in diesem Jahr ihre Arbeit im Raum der katholischen Kirche bekannter machen und dort auf neue Mitglieder zugehen. Während des Katholikentages, auf den Empfängen der Bundestagsfraktionen von Grünen und SPD, insbesondere aber an den verschiedenen Ständen der Katholikentagsmeile, konnten wir viele Gespräche mit interessierten Organisationen führen.

Unterstützung der Kampagne „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“

Im Rahmen der bereits im Frühsommer 2013 begonnenen Kampagne „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“ hat die Mobile Beratung für Opfer rechter Gewalt zum 1. Mai 2014 eine Website freigeschaltet, um an die Schicksale von mindestens 13 Menschen zu erinnern, die seit 1990 aus rassistischen und rechten Motiven getötet wurden. Auf der Seite, die unter der Adresse www.rechte-gewalt-sachsen-anhalt.de zu erreichen ist, werden diese ausführlich dokumentiert und auch aktuelle Informationen angeboten.

Die BAG K+R gehört neben anderen Initiativen, Einzelpersonen und Institutionen, unter Ihnen etwa auch die Landesbischöfin der Ev. Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, zu den Unterstützer_innen der Kampagne „Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt“. Das gemeinsame Interesse der Gruppe der Unterstützer_innen ist es, den Opfern einen Namen zu geben und auf die tödliche Dimension rechterund rassistischer Gewalt aufmerksam zu machen. „Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAGKR) unterstützt die Kampagne ‘Wir erinnern an Opfer rechter Gewalt in Sachsen-Anhalt’, weil wir von unseren Partnerinnen und Partnern zum Beispiel in Magdeburg wissen, dass neonazistische Gewalt ein großes Problem im Alltag vieler Menschen ist. Deshalb hoffen wir auch, dass sich viele Menschen vor Ort im Rahmen der Kampagne engagieren werden.“, so Christian Staffa, Mitglied des Sprecher_innenrates der BAG K+R auf der Internetseite der Kampagne.
BAG K+R fordert NSU-Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg

Mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion am 27. Mai 2014 im Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof in Stuttgart hat die BAG K+R die Forderung nach einem NSU-Untersuchungsausschuss im baden-württembergischen Landtag unterstützt. Unter dem Motto „Wie weiter mit dem NSU-Komplex in Baden-Württemberg: Chancen und Grenzen parlamentarischer Aufklärung“ diskutierten die Obleute des Bundestagsuntersuchungsausschusses zum NSU, Clemens Binninger (CDU) und Petra Pau (Die Linke), Sebastian Scharmer, Rechtsanwalt und Nebenklägervertreter von Gamze Kubasik im NSU-Prozess, sowie Nikolaos Sakellariou, Obmann der SPD-Landtagsfraktion in der geplanten Enquete „Rechtsextremismus“ mit den rund 70 Zuhörer_innen.

 

Dabei wiesen Petra Pau und Clemens Binninger auf die zahlreichen Komplexe hin, die ein Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag untersuchen müsste: Zum einen die vielen offenen Fragen rings um den Mord an der Thüringer Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn im Frühjahr 2007 sowie die nachfolgenden rassistisch geprägten Ermittlungen gegen Sinti und Roma. Dazu kommen die mehr als 50 Kontaktpersonen des mutmaßlichen NSU-Kerntrios aus dem neonazistischen Milieu, die zeitweise in Baden-Württemberg lebten und deren Aktivitäten von den Sicherheitsbehörden in Baden-Württemberg ganz offensichtlich nicht ernst genommen wurden, obwohl viele von ihnen im Netzwerk von „Blood&Honour“ und dessen Nachfolgestrukturen aktiv waren und sind.

Eindringlich wiesen Clemens Binninger und Petra Pau sowie Rechtsanwalt Sebastian Scharmer den baden-württembergischen Landtag darauf hin, dass die derzeit geplante Enquete-Kommission „Rechtsextremismus“ zu geringe Befugnisse habe, um einen sinnvollen Beitrag zur Aufklärung des NSU-Komplexes in Baden-Württemberg zu leisten. Demgegenüber betonte Nikolaos Sakellariou, eine Enquete-Kommission sei völlig ausreichend, im Übrigen wolle man insbesondere auch die Zivilgesellschaft in die Arbeit mit einbeziehen, deren Erkenntnisse dringend benötigt würden.

Rechtsanwalt Sebastian Scharmer, der die Tochter des im April 2006 getöteten Dortmunder Kioskbesitzer Mehmet Kubasik im Prozess gegen Beate Zschäpe und ihre Mitangeklagten vor dem OLG München vertritt, machte deutlich, dass die Angehörigen der Mordopfer der rassistischen Mordserie des NSU und die Verletzten der Sprengstoffanschläge dringender denn je auf die von Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Trauerfeier im Februar 2012 versprochene umfassende Aufklärung warten. Denn trotz der Untersuchungsausschüsse im Bund und vier Ländern und obwohl im Prozess gegen Beate Zschäpe mehr als einhundert Sitzungstage vergangen sind, warten die Angehörigen der Mordopfer und die Verletzten der drei bekannten Bombenanschläge des NSU vergeblich auf Antworten auf die aus ihrer Sicht wesentlichen Fragen: Warum wurden ausgerechnet ihre Ehemänner, Väter und Brüder ermordet? Hatte das mutmaßliche NSU-Kerntrio jenseits des inzwischen bekannten Unterstützer_nnen-Netzwerks von drei Dutzend Neonazis weitere Helfer und Helferinnen an den Tatorten in Nürnberg, München, Köln, Hamburg, Rostock, Kassel und Dortmund? Was wussten die Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste – insbesondere das Bundesamt für Verfassungsschutz – schon vor der Selbstenttarnung von Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe am 4. November 2011 über die Existenz rechtsterroristischer Strukturen im Allgemeinen und das NSU-Netzwerk im Besonderen? Und was war das Motiv für die „Operation Konfetti“, bei der ein Referatsleiter und ehemaliger Mitarbeiter in der Abteilung „Rechtsterrorismus“ im Bundesamt für Verfassungsschutz am 11. November 2011 die Akten von mindestens sieben neonazistischen V-Leuten mit Bezug zur Thüringer Neonaziszene schreddern ließ? Als die 22 Abgeordneten des Bundestagsuntersuchungsausschuss nach rund 18monatiger Beweisaufnahme im September 2013 ihren knapp 1.400-seitigen Abschlussbericht vorlegten, mussten sie einräumen, dass sie keine Antworten auf diese zentralen Fragen gefunden hatten (vgl. BT-Drs 17/14600, Beschlussempfehlung und Bericht des 2. Untersuchungsausschusses).

Es sei unhaltbar, dass die Abgeordneten in den Landtagen und im Bundestag für die Beantwortung dieser Fragen auf den Prozess in München verwiesen, betonte Sebastian Scharmer. Denn der Strafprozess sei kein Un-tersuchungsausschuss und könne die Verantwortung der Behörden nicht thematisieren. Der Rechtsanwalt forderte neben einem NSU-Untersuchungsausschuss im Stuttgarter Landtag auch einen neuen Bundestagsuntersuchungsausschuss. Unterstützung für diese Forderung erhielt Scharmer von zahlreichen Zuhörer_innen der Veranstaltung in Stuttgart. Doch von den Abgeordneten Petra Pau und Clemens Binninger gab es darauf lediglich verhaltene Reaktionen. „Wenn wesentliche neue Erkenntnisse etwa zum Agieren der V-Leute oder zu einem anderen Tathintergrund im Kiese-wetter-Mord vorliegen, die auch zu einer Neubewertung des gesamten Falls und des staatlichen Handelns führen, dann brauchen wir auch einen neuen Ausschuss“, betonte Clemens Binninger. Ganz ähnlich äußerte sich auch Petra Pau. Sie betonte die Notwendigkeit einer spezialisierten und unabhängigen Beratungsstelle für Opfer rechter und rassistischer Gewalt in Baden-Württemberg.

Einen umfassenden Bericht zur Veranstaltung finden sie auch auf der Seite der Beobachter News.

Bitte beachten Sie auch unsere Zusammenstellung der aktuellen Entwicklungen zu den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen in anderen Bundesländern.

Wenn Sie sich persönlich für einen Untersuchungsausschuss einsetzten wollen, können Sie hier die Online-Petition zur Einsetzung eines NSU Untersuchungsausschusses in Baden Württemberg unterzeichnen.

Aus den Regionen, Landeskirchen und Diözesen

BAG K+R vor Ort

Die BAG K+R war in den vergangenen Monaten an einer ganzen Reihe von Veranstaltungen im Bundesgebiet beteiligt. Eine Übersicht:

 

  1. April, Dresden

Veranstaltung: „Warum der Osten? Gibt es Kontinuitäten rassistischen Denkens aus der DDR-Zeit bis heute?“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Hygienemuseums Dresden „Die Schattenseiten des Neuen Deutschlands“ fand am 16. April eine Diskussion unter den Titel „Warum der Osten? Gibt es eine Kontinuität rassistischen Denkens aus der DDR-Zeit bis heute?“ statt. Unter den Diskutanten waren David Begrich, Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Mitei-nander Sachsen-Anhalt e. V., Hang Thanh Phung, Germanistin aus Dresden, Johannes Kiess, Politikwissenschaftler und Mitherausgeber der Studie „Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012“ und für die BAG K+R der ehemalige Geschäftsführer Frie-demann Bringt.

8. Mai, Dresden

Buchvorstellung:

„Antifaschismus als Feindbild. Der Prozess gegen den Pfarrer Lothar König“

Anfang des Jahres ist im Hamburger Laika-Verlag das Buch „Antifaschismus als Feindbild. Der Prozess gegen den Pfarrer Lothar König“ erschienen. Anlässlich seiner Veröffentlichung veranstaltete das Kulturbüro Sachsen e.V. und die BAG K+R eine Diskussionsveranstaltung, die auf große Resonanz stieß. Ca. 100 Menschen folgten der detailreichen Darstellung zum Prozess gegen den Jenaer Stadtjugendpfarrer Lothar König, eröffnet 2013 am Dresdner Amtsgericht. König wird vorgeworfen, er habe eine Menschenmenge zu Gewalttaten gegenüber der Polizei angestachelt. Nach sieben Verhandlungstagen wurde das Verfahren im Juli 2013 ausgesetzt, nachdem zurückgehaltenes Beweismaterial im Prozess auftauchte. Offenbar wurde gegen Lothar König einseitig ermittelt, um mit ihm eine Leit- und Symbolfigur tätigen Widerstands gegen heutige Nazis zu treffen. Warum werden friedliche Demonstranten kriminalisiert? Welche Folgen hat das für ein bürgerschaftliches Engagement gegen Nazis? Soll vom Scheitern einer verfehlten Polizeieinsatzstrategie am 19. Februar 2011 wie vom Staatsversagen – Stichwort NSU – abgelenkt werden? Diese und weitere Fragen beschäftigten die Diskutant_innen und werden im oben genannten Buch thematisiert.

8. Mai, Remscheid

Podiumsdiskussion: „Was tun gegen Rechts?“

Im Vorfeld der Kommunal- und Europawahlen haben sich in der Stadt Remscheid verschiedene kirchliche, städtische und zivilgesellschaftliche Gruppen zusammengefunden, um Bildungsangebote und Aktionen durchzuführen. Eine Veranstaltung dieser Art war die Podiumsdiskussion „Was tun gegen Rechts?“ in der Pfarrei St. Suitbertus. Mit auf dem Podium Andreas Belz, Mitglied des Sprecher_innenrates der BAG K+R. Belz diskutierte mit den Teilnehmer_innen der Veranstaltung die vielfältigen Möglichkeiten kirchlichen Engagements gegen Rechtsextremismus.

 

5./6. Juni, Bad Boll

Tagung „Bürgerschaftliches Handeln gegen Neonaziaufmärsche“

In Zusammenarbeit mit der Ev. Akademie Bad Boll und der Landesarbeitsgemeinschaft Offene Jugendbildung Baden-Württemberg veranstaltete die BAG K+R am 5./6. Juni eine Tagung unter dem Titel „Bürgerschaftliches Handeln gegen Neonaziaufmärsche. Demokraten zwischen Grundrechtsausübung und öffentlicher Ordnung“ in der Ev. Akademie Bad Boll. Ziel-gruppe der Veranstaltung waren Ehrenamtliche in Bündnissen gegen Neonaziaufmärsche, engagierte Bürger_innen, Verantwortungsträger und Beschäftigte bei Kommunen, Ordnungsämtern, Polizei Justiz und Politik. Die Mitglieder des Sprecher_innenrates der BAG K+R, Christian Staffa und Joachim Nolte, sowie die BAG K+R-Geschäftsführerin Grit Hanneforth waren mit Vorträgen, Referaten und Workshops am Programm der Tagung beteiligt. Zentrale Fragen waren: Mit welchen Formen der Meinungsäußerung im öffentlichen Raum können und sollten wir Demokratinnen und Demokraten auf solche Demonstrationen reagieren? Wie können wir das Demonstrationsrecht sichern, ohne Bürger- und Freiheitsrechte maßgeblich zu beschnei-den und die öffentliche Sicherheit gewährleisten? Dabei wird der Wandel in der Rechtsprechung zu Neonaziaufmärschen beleuchtet. In den Diskussionen und Workshops sollen zivilgesellschaftliche Strategien und der Handlungsrahmen von Polizei und Kommunen ausgelotet werden.

Empfehlenswerte Publikationen

 Veröffentlichung des Online-Leitfadens „Was tun, damit’s nicht brennt?“

Anfang März veröffentlichte die BAG K+R zusammen mit der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (mbr Berlin)und der Evangelischen Akademie zu Berlin den ersten bundesweiten „Leitfaden zur Vermeidung von rassistisch aufgeladenen Sammelunterkünften für Geflüchtete“. Auf 24 Seiten geben Praktiker_innen aus der zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Beratungsarbeit gegen Rechtsextremismus zahlreiche Handlungsempfehlungen für ein breites Spektrum an zivilgesellschaftlichen Gruppen – von Kirchengemeinden über Nachbarschafts- und Gewerkschaftsgrippen bis hin zu antirassistischen Initiativen und Flüchtlingsorganisationen.

Mit ihrem Leitfaden reagieren die BAG K+R und ihre Kooperationspartner auf die steigende Anzahl von rassistischen und neonazistischen Gewalttaten gegen Sammelunterkünfte für Geflüchtete in Ost- und Westdeutschland.

Den Online-Leitfaden sowie eine Pressemitteilung anlässlich seiner Veröffentlichung zum Download finden Sie auf der Internetseite der BAG K+R (www.bagkr.de/flucht) sowie auf den Seiten der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (www.mbr-berlin.de) und der Evangelischen Akademie zu Berlin (www.eaberlin.de).

 

Veröffentlichung der Broschüre „Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile“

Im Rahmen der Kampagne „Pro Menschenrechte. Contra Vorurteile und Rassismus“ der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL haben beide Organisationen eine Broschüre veröffentlicht, die in kurzer und prägnanter Form mit den gängigsten Vorurteilen gegen Flüchtlinge aufräumt. Die BAG K+R hat die Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL bei der Erstellung der Broschüre unterstützt.

Auf den Internetseiten der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL steht die Broschüre in digitaler Form zum Download bereit und kann in gedruckter Form bestellt werden. Auch von der BAG K+R können Sie auf Anfrage Printexemplare der Broschüre erhalten.

Buch „Antifaschismus als Feidbild. Der Prozess gegen den Pfarrer Lothar König“

Bereits Anfang des Jahres ist im Hamburger Laika-Verlag das Buch Antifaschismus als Feindbild. Der Prozess gegen den Pfarrer Lothar König erschienen (vgl. Newsletter Nr. 8). Es beleuchtet aus politischer, juristischer, kirchlicher und antifaschistischer Sicht die politische Bedeutung und Entwicklung des Prozesses gegen Lothar König am Amtsgericht Dresen. Der Beitrag des ehem. Geschäftsführers der BAG K+R, Friedemann Bringt, beschreibt die Unterstützung und Teilnahme der BAG K+R an den Anti-Nazi-Demonstrationen in Dresden.

Die BAG K+R begleitete und begleitet weiterhin aufmerksam das Verfahren gegen den Jenaer Stadtjugendpfarrer, u.a. auch mit der Postkartenaktion „Solidarität mit Lothar König, denn: Nächstenliebe verlangt Klarheit“. Im April veranstaltete die BAG K+R zusammen mit dem Kulturbüro Sachsen in Dresden eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung anlässlich der Veröffentlichung des Buches.

Weitere Informationen zum Buch und Möglichkeiten seiner Bestellung finden sie auf der Internetseite des Laika-Verlags.

Vorbereitung der Handreichung #5: Antiziganismus

Die BAG K+R wird im vierten Quartal 2014 ihre Reihe von Handreichungen zu den verschiedenen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit um eine weitere Handreichung zum Thema Antiziganismus ergänzen.

Termine / Veranstaltungen / Aktionen

Termine in der zweiten Jahreshälfte 2014

Auch in der zweiten Jahreshälfte 2014 ist die BAG K+R an vielen Veranstaltungen und Aktionen beteiligt. Zur Teilnahme laden wir Sie herzlich ein.

27./28. Juni 2014

Workshop: „Alltagsrassismus – nicht mein Problem?“

Rassistische Diskriminierungen im Alltag sind für viele Menschen eine schmerzhafte Realität, bei der Suche nach Arbeitsplätzen oder Wohnungen, in Schulen, Universitäten, Sportvereinen usw. Sie gehen keineswegs immer nur von Rechtsradikalen aus. Das Frauenwerk der Nordkirche veranstaltet zusammen mit den beiden Schauspielerinnen und Coaches Thelma Buabeng und Mirya Kalmuth zu diesem Thema einen Workshop mit Improvisationstheater in Hamburg.

Veranstaltungsort: Dorothee-Sölle-Haus, Königstr. 54, HH-Altona

Kontakt: Irene Pabst, Frauenwerk der Nordkirche

Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie auf der Internetseite des Frauenwerks der Nordkirche.

 

10.-12. Oktober

Tagung: „Mehr als Intoleranz. Antiziganismus als Herausforderung für Theologie, Kirche und Gesellschaft“

Sinti und Roma sind die größte transnationale Minderheit in Europa. Sie sind jahrhundertelang diskriminiert worden, auch mit Unterstützung von Kirche und Theologie. Antiziganismus ist heute wohl der weitverbreitetste und in der Mitte der Gesellschaft am wenigsten problematisierte Rassismus nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in Europa. Es werden in dieser Veranstaltung die Positionen von Kirche und Gesellschaft kritisch in Augenschein genommen und inhaltliche Kriterien für neue Handlungsformen formuliert. Als Ergänzung zum Tagungsthema wird es im Kino Arsenal eine Filmreihe geben.

Tagungsort Abendforum: Französische Friedrichstadtkirche (Französischer Dom), Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin (Mitte)

Tagungsort Tagung: Hotel Dietrich Bonhoeffer Haus, Ziegelstraße 30, 10117 Berlin

Mehr Informationen zur Tagung finden Sie auf der Internetseite der Ev. Akademie zu Berlin.

 

  1. oder 6. November

Filmvorführung und -diskussion „Der blinde Fleck“ (DE 2013)

mit dem Journalisten und Drehbuchautoren Ulrich Chaussy sowie Regisseur und Drehbuchautor Daniel Harrich in Berlin.

 

28./29. November

  1. Ost-West-Konferenz

In Planung ist derzeit die 4. Ost-West-Konferenz mit dem Arbeitstitel Widerstand gegen Rechtsextremismus – eine Christenpflicht, die vom 28. – 29. November 2014 dieses Mal in Mainz stattfinden wird. Inhaltlicher Schwerpunkt der Tagung ist die Auseinandersetzung mit Rassismus und Rechtsextremismus sowie die Vernetzung von Aktivitäten in Kirchen und Zivilgesellschaft zur Unterstützung von Geflüchteten. Eingeladen sind Praktiker_innen aus Kirchen, Initiativen, Zivilgesellschaft und Einzelpersonen.

Die 4. Ost-West-Konferenz wir möglich gemacht durch die Unterstützung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), dem Bistum Mainz und der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Informationen zum Programm und der Anmeldung zur Konferenz finden Sie ab Mitte Juli 2014 auf der Internetseite der BAG K+R.

 

  1. Juli

Nächstenliebe verlangt Klarheit – Kirchen aktiv gegen Geraer Hasskonzert

Ökumenisches Friedensgebet am 5. Juli 2014, 14:00 Uhr in der Johanniskirche in Gera

Mit einem ökumenischen Friedensgebet wollen die christlichen Gemeinden Geras am 5. Juni gegen ein am gleichen Tag in der Stadt stattfindendes Rechtsrockfestival protestieren. Das durch die NPD und rechtsextreme Kameradschaften organisierte Musikfestival „Rock für Deutschland“ hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der größten Rechtsrockveranstaltungen in der Bundesrepublik entwickelt. Unter dem Schutz des Versammlungsrechts wird dabei offensiv rassistische und nationalsozialistische Propaganda verbreitet und verbale Gewalt angewendet.

Die BAG K+R unterstützt die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Gera in ihrem Engagement gegen das Hassfestival. In der Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft heißt es: „Als Christen setzen wir diesem musikalischen Hass unseren Mut und unseren Glauben entgegen. Mit dem Gebet bekennen wir uns zu der Botschaft Gottes, die allen Menschen gleichermaßen Würde und Wert zuspricht. Wir laden alle Menschen, unabhängig ihrer religiösen oder philosophischen Herkunft, dazu ein, unserem Friedensgebet Kraft zu verleihen.“

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